10 Jahre Wohngruppenkonzept der Allgäu Pflege

Vor zehn Jahren schlug die Allgäu Pflege in Sachen Seniorenbetreuung und -pflege völlig neue Wege ein. Die klassischen Stationen wichen kleinen Wohngruppen mit zentralem Gemeinschaftsraum und einem festen Team von Alltagsbegleitern. In der Wahrnehmung der Bewohner verschob sich der Fokus von der Versorgung körperlicher und geistiger Defizite hin zur Konzentration auf die Erhaltung noch verbliebener Fähigkeiten und das soziale Miteinander. Verena Fleischer, die stellvertretende Geschäftsführerin der Allgäu Pflege, erinnert sich an die ersten Schritte und erläutert das damals revolutionäre Konzept, das heute in allen Einrichtungen des Trägers mit großem Erfolg umgesetzt wird.

Beim Gedanken an eine Senioren-Pflegeeinrichtung formiert sich bei vielen Menschen sicherlich das folgende Bild: Ein langer Krankenhaus-Flur, links und rechts anonym wirkende Patientenzimmer, in denen Menschen einsam vor sich hinbrüten und deren soziales Highlight der Besuch der Pflegekräfte ist. "Tatsächlich sah es früher genauso vielerorts aus", erinnert sich Verena Fleischer. "Vor diesem Hintergrund überlegten unser Geschäftsführer Ulrich Gräf und ich uns gemeinsam, wie wir selbst einmal im Alter leben möchten. Die Antwort war eindeutig: Wir möchten nicht isoliert sein, sondern so lange wie möglich so normal wie möglich leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben." Aus intensiven Vorarbeiten entstand schließlich ein Wohngruppenkonzept mit Vorbildfunktion, das mittlerweile nicht nur in den Einrichtungen der Allgäu Pflege - diese befinden sich in Sonthofen, Immenstadt, Altusried und Blaichach - umgesetzt wird.


Die großen Stationen wurden, auch durch umfangreiche bauliche Maßnahmen, in Wohngruppeneinheiten umgewandelt. Im Spital in Sonthofen etwa wurden die 103 Betten in sieben kleine pflegerische Einheiten mit durchschnittlich 15 Personen eingeteilt. Hier hat jeder Bewohner sein eigenes Zimmer mit Nasszelle, das er ganz nach seinem Geschmack und mit eigenen Möbeln einrichten kann. Das Zentrum des Lebens aber bildet der große, gemütlich eingerichtete Gemeinschaftsraum, über den jede der Wohngruppen verfügt. Dieser ist Küche, Wohn- und Esszimmer in einem. Hier wird zusammen gegessen (jeder schöpft sich, was er mag), gebastelt, sich unterhalten, gespielt und gesungen, es gibt Zeitungsrunden, Sitztanz und vieles mehr. "An sieben Tagen pro Woche werden die Bewohner abwechselnd von zwei festen Alltagsbegleitern betreut", erläutert Verena Fleischer. "Somit haben sie feste Bezugspersonen, die wiederum jeden Bewohner der Gruppe gut kennen." Eine weitere Besonderheit des Konzeptes ist die Einbindung der pflegerischen Leistungen in den Alltag. "Im klassischen System sind pflegerische Handlungen wie Medikamentengabe oder Körperpflege oftmals der zentralste Sozialkontakt, den pflegebedürftige Senioren haben. Obwohl diese Leistungen selbstverständlich auch bei uns einen wichtigen Bestandteil der Versorgung ausmachen, finden sie in der Wahrnehmung der Menschen aber eher nebenbei statt. Durch diese Verschiebung wird der Einzelne nicht auf seine körperlichen Defizite und seine schwindenden Fähigkeiten reduziert, sondern hat den Eindruck eines weitgehend normalen, aktiven Lebens." Wichtig dabei ist: Die Menschen können am sozialen Miteinander teilhaben, aber sie müssen nicht. "Wer sich lieber eine Weile zurückziehen möchte, kann das selbstverständlich tun", betont Verena Fleischer. Die Umsetzung des Gesamtkonzeptes sei ein bautechnischer und organisatorischer Kraftakt gewesen gibt sie zu, "aber wir würden es jederzeit wieder genauso machen. Wir sehen ja, wie wohl sich die Menschen bei uns fühlen und wie sie aufblühen." Dennoch kommt ein Ausruhen auf dem Erreichten nicht infrage: "Wir werden die Altenhilfe auch in Zukunft weiterentwickeln und passen unsere Konzepte immer wieder den sich ändernden Gegebenheiten an."