Das rollende Modehaus für Senioren

Shopping macht Spaß. Doch das gemütliche Streifen durch Geschäfte auf der Suche nach schicken neuen Kleidern wird im Alter mitunter beschwerlich. Die Bewohner der Pflegeeinrichtungen der AllgäuPflege sollen trotzdem nicht auf dieses beschwingt machenden Erlebnis verzichten müssen. Zweimal im Jahr kommt deshalb Witt Weiden mit einem rollenden Modehaus in die Einrichtungen.

Die hübsch gemusterte Bluse steht der alten Dame hervorragend. Nicht nur, weil die Farbe so gut zu ihrem Haar passt, sondern auch, weil sie ihre blauen Augen auf ganz besondere Weise zum Leuchten bringt – auf lebensfreudige Weise. Die Bluse ist Teil einer neuen Kollektion, die das Oberpfälzer Textilhandelsunternehmen Witt Weiden immer im Frühjahr und im Herbst in den Pflegeeinrichtungen der AllgäuPflege vorstellt.

„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma fahren mit dem Transporter vor und verwandeln unseren Roten Salon innerhalb kurzer Zeit mit Kleiderständern und Schuhregalen in ein echtes Modehaus“, erzählt Doreen Seiß, die als Alltagsbegleiterin in der Seniorenresidenz Blaichach arbeitet. „Dort können die Bewohner die Sachen dann in aller Ruhe ansehen, anfassen und auch Teile zum Probieren mit auf ihre Zimmer nehmen.“

Um niemanden zu überfordern, wurden die Damen und Herren auf den Besuch vorbereitet: „Wir haben im Vorfeld in den Wohngruppen über das Thema Einkaufen gesprochen und uns Kataloge angesehen. Da kommen immer Erinnerungen zutage, zum Beispiel, wie das früher war, sich ab und an ein schönes neues Kleidungsstück zu gönnen und wieviel Freude es macht, dieses dann zu tragen.“ Genau an dem Punkt knüpft das rollende Kaufhaus an. „Es geht uns nicht darum, die Menschen zum Konsum zu überreden“, stellt Doreen Seiß klar. „Vielmehr möchten wir ihnen ein positiv besetztes Erlebnis aus ihrem früheren Alltag ermöglichen, das sie in den meisten Fällen so nicht mehr haben können.“

Damit das Ganze nicht zu anstrengend oder verwirrend wird, kommen die betagten Gäste in überschaubaren Gruppen und in Begleitung von Angehörigen und Pflegemitarbeiterinnen in den Verkaufsraum. „Dafür mobilisieren wir immer unser gesamtes Personal und Ehrenamtliche. So können wir uns gut um jeden Einzelnen kümmern.“ Gemeinsam werden die qualitativ hochwertigen Pullover, Blusen, Röcke und Hosen begutachtet und vorgehalten, werden Schuhe probiert, es wird beraten, gefachsimpelt und gelacht. „Diejenigen, die fündig wurden, tragen ihre neu erworbenen Sachen dann immer mit Freude und Stolz“, berichtet Doreen Seiß. Ganz egal, ob jemand etwas kauft oder nicht – die Tage seien immer echte Highlights für die Bewohner und auch für die Pflegekräfte.

Wenn die Türen der mobilen Boutique dann geschlossen haben, lassen alle den aufregenden Tag beim gemeinsam Kaffeetrinken ausklingen. „Das hilft, um die Emotionen, die hochgekommen sind, behutsam auszuleiten“, sagt Seiß. Sie freut sich: „Wir erhalten viel positives Feedback von unseren Bewohnern und auch von deren Angehörigen. Es tut einfach gut, ein Stück Normalität zu leben, sich hübsch zu machen. Das alles hat viel mit Selbstbestimmtheit und Selbstwert zu tun und das ist für jeden Menschen wichtig, egal wie alt er ist.“