Heute schon genug getrunken?

Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel. Während der menschliche Körper mehrere Wochen ohne feste Nahrung auskommen kann, kann er Flüssigkeit nur maximal zwei bis vier Tage lang entbehren. Normalerweise signalisiert unser Körper durch das Durstgefühl, wann er Flüssigkeit benötigt. Doch mit steigendem Alter lässt das natürliche Durstgefühl nach. Die Folge: Viele ältere Menschen trinken zu wenig. Dadurch steigt die Gefahr eines Flüssigkeitsmangels - mit mitunter ernsten Folgen. Pia Dinnebier, Pflegedienstleitung der Ambulanten Pflege und Betreuung bei der Allgäu Pflege in Sonthofen gibt Tipps, was man tun kann, um auch ohne Durst genug zu trinken.

"Unser Körper ist auf eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr angewiesen, um seine Funktionen aufrecht erhalten zu können", erklärt Pia Dinnebier. "Denn Wasser ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Zellen, des Gewebes und der Körperflüssigkeiten. Es sorgt dafür, dass unser Blut fließen und den Körper mit Sauerstoff und allen wichtigen Nährstoffen versorgen kann und hilft uns bei der Regulierung der Körpertemperatur. Dabei scheidet der menschliche Körper ständig Flüssigkeit über die Nieren, den Darm, die Haut oder beim Atmen über die Lungen aus."

Sie ergänzt: "Mit zunehmendem Alter nimmt der Wassergehalt des Körpers ab und die Konzentrationsfähigkeit der Nieren lässt nach, d.h. es wird zu viel Flüssigkeit mit dem Urin ausgeschieden. Zugleich verringert sich das Durstgefühl deutlich, da alternde Sinneszellen das Durstempfinden unterdrücken. Die Menschen vergessen dann einfach zu trinken." Auch schlechte Trinkgewohnheiten (etwa aus Angst vor nächtlichen Toilettengängen) oder zunehmende Hilfsbedürftigkeit beim Trinken können eine Rolle spielen.

Doch bereits ein geringer Mangel der üblichen Flüssigkeitsmenge mache dem Körper zu schaffen, warnt sie. Anzeichen eines Flüssigkeitsmangels können sein: Mundtrockenheit, trockene Schleimhäute oder schlaffe Haut. Weitere mögliche Auswirkungen sind Schwäche, Schwindel, Verwirrtheit, veränderte Medikamentenwirkung, erhöhte Infektanfälligkeit, Blutdruckabfall oder Verstopfung. Im schlimmsten Fall kann es zu Thrombosen oder Nieren- und Kreislaufversagen kommen.

Daher muss ganz bewusst auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Mindestens 1,5 Liter an nicht-alkoholischen Getränken sollte man täglich trinken, empfiehlt Pia Dinnebier, bei höheren Außentemperaturen, Fieber, Erbrechen und Durchfallerkrankungen entsprechend mehr. Die Expertin gibt Tipps, wie es auch ohne Durstgefühl gelingen kann, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sicherzustellen.

"Stellen Sie die tägliche Trinkration schon morgens in Sichtweite bereit. Füllen Sie Trinkgefäße nach dem Trinken gleich wieder auf. Trinken Sie verschiedene Getränke an. Am besten eignen sich Wasser, ungesüßter Tee oder Saftschorlen, in Maßen auch Kaffee. Demenzerkrankte greifen gern zu farbigen Trinkgefäße oder Flüssigkeiten.

Besorgen Sie, wenn nötig, spezielle Trinkgefäße oder Trinkhalme. Führen Sie Trinkrituale einführen, zum Beispiel ein Glas Wasser nach dem Aufwachen, ein Glas Wasser vor jedem Essen, gemeinsamer Nachmittagskaffee u.ä.. Hilfreich kann auch das Erstellen eines Trinkplans sein. Darin notieren Sie alle Getränke des Tages und zählen abends die getrunkene Menge zusammen. Gute Flüssigkeitslieferanten sind auch wasserhaltiges Obst (z.B. Melonen, Kompott) und Gemüse (z.B. Gurken, Tomaten) oder wasserhaltige Nahrungsmittel wie Suppen, Brühen, Joghurt, Buttermilch und dergleichen. Übrigens: Je weniger jemand isst, desto mehr sollte die Person trinken, sonst fehlt das in der festen Nahrung enthaltene Wasser." Eine wichtige Einschränkung darf aber nicht vergessen werden: "Menschen mit ärztlich diagnostizierter Herz- oder Niereninsuffizienz müssen unbedingt ihre vom Arzt verordnete Flüssigkeitslimitierung einhalten!"