„Mahlzeit!“ - Offener Mittagstisch für Senioren im Spital Sonthofen

Viele Senioren kennen das: Für sich alleine zu kochen, macht keine Freude, mitunter ist am Herd zu stehen sogar zu einer regelrechten Kraftanstrengung geworden. Auch allein vor seinem Teller zu sitzen, kann eine eher trübsinnige Angelegenheit sein. Aus diesem Grund bietet das Spital der AllgäuPflege in Sonthofen an allen sieben Tagen der Woche einen sogenannten „offenen Mittagstisch“ an. Immer mehr Senioren machen von diesem Angebot Gebrauch. Einer von ihnen ist Karl Blaser, Altbürgermeister und Ehrenbürger der Stadt Sonthofen.

Altbürgermeister Karl Blaser Foto: Sabine Stodal

Vielen Sonthofern ist Karl Blaser noch aus seiner Zeit als Bürgermeister der Kreisstadt ein Begriff. Der heute 87-Jährige trat diese Position 1964, im Alter von 33 Jahren an und füllte sie danach 30 Jahre lang mit großem Engagement aus. „Dass ich, als überzeugter Sozialdemokrat, damals gewählt wurde, war in Sonthofen eine kleine Sensation. Ich wurde viermal wiedergewählt, obwohl es jedes Mal einen Gegenkandidaten gab“, erinnert er sich. 1994 verabschiedete er sich aus der aktiven Lokalpolitik, aber ein politisch interessierter Mensch - und Sozialdemokrat - sei er immer geblieben, wie er sagt. Im Ruhestand hätten er und seine Frau es dann erst einmal genossen, Zeit für das gemeinsame Hobby zu haben: die Bergsteigerei. „Meine Frau und ich waren zeitlebens begeisterte Bergsteiger“, erzählt Blaser. „Ich bin bis Grad 4 geklettert, meine Frau bis Grad 3. Sie war zudem Wanderführerin und hat zahllose wunderbare Touren gemacht.“ Vor drei Jahren zog das Paar dann vom eigenen Haus in Binswangen ins Betreute Wohnen der AllgäuPflege in Sonthofen. „Hier ist man mitten in der Stadt - das war für uns einfach praktischer“, erklärt der fit wirkende, freundliche Senior. „Man kann mal schnell zum Einkaufen gehen oder im benachbarten Café Bene oder Café Elsässer einen Kaffee trinken. Zudem wohnt unsere Tochter in der Nähe.“ Seine Frau musste leider aus gesundheitlichen Gründen vor einiger Zeit in den stationären Bereich des Spitals umziehen, doch er selbst lebt noch in der 3-Zimmer-Wohnung, direkt am Spitalplatz.
Sein Tag sei nach wie vor sehr ausgefüllt, vor allem mit „Papierkram“ an die Krankenkasse, der ihn einiges an Nerven koste, berichtet Karl Blaser. Bei der Hausarbeit hole er sich mittlerweile Hilfe und auch beim Mittagessen hätten er und seine Frau von Anfang an auf den offenen Mittagstisch zurückgegriffen. „Meine Mutter hat mich zwar gut zur Mithilfe erzogen, aber was das Kochen anbelangt, kann ich eigentlich nur G´röschtete Kartoffeln und Kässpatzen“, gibt er augenzwinkernd zu. Am eigenen Tisch schmecke es zwar bekanntlich immer besser als woanders, aber er komme jeden Mittag gern hier herüber ins Spital. Was die Mahlzeiten anbelangt, hält er es als echter Allgäuer ganz nach dem Motto „it g´schmipft isch g´lobt gnua“: „Am Essen gibt es nichts zu beanstanden.“ Auch das Zusammensein mit den anderen Besuchern sei nett. Die Dame neben ihm berichte beispielsweise hin und wieder von ihren vielen Aufenthalte in fernen Ländern, die sie mit ihrem Mann erlebt hatte. Mit an seinem Tisch sitzen zudem zufälliger Weise zwei alte Bekannte aus Blasers Zeiten als Bürgermeister. Einer der Männer war seinerzeit Mitarbeiter der städtischen Schlosserei und auch der andere war am Bauhof beschäftigt. „Im Lauf der Zeit haben sich hier ein paar nette Grüppchen gebildet“, meint auch Mathias Böhmer-Seitz, der Leiter des Spital Sonthofen. „Zum Teil haben sie sich hier erst kennengelernt, zum Teil kannten sie sich schon von früher und sind
sich hier wiederbegegnet“ - wie eben im Fall von Karl Blaser und den beiden ehemaligen Mitarbeitern. Die Stimmung an den Tischen sei jedenfalls immer freundlich und harmonisch.