„Das Thema Pflege sollte an allen Schulen auf dem Stundenplan stehen“

„Pflege geht jeden von uns an, sei es ganz direkt als Betroffener, Angehöriger oder Pflegemitarbeiter wie auch als Gesamtgesellschaft“, betont Antje Kasparek. Sie ist Pflegedienstleitung im Spital der AllgäuPflege in Immenstadt und fordert: „Bereits Jugendliche sollten behutsam an das Thema herangeführt werden. So könnten sehr viele negative Vorurteile abgebaut und eine größere Offenheit für die Pflege erreicht werden.“ In genau diese Richtung zielt auch das Projekt „Pflege auf dem Stundenplan", das die AllgäuPflege derzeit in Kooperation mit der AOK durchführt.

Foto: Rebecca Kaiser

Zwei achte Klassen der Mittelschule Immenstadt waren im Rahmen des Projektes für jeweils einen Vormittag im Spital Immenstadt zu Gast. Zunächst führte Einrichtungsleiter Florian Adolf die Schülerinnen und Schüler durch das Haus. Dabei konnten diese sich einen Eindruck von den familiären Wohngruppen mit ihren Bewohnerzimmern, Bädern und Gemeinschaftsräumen, der Cafeteria, der Hauskapelle und den Verwaltungsräumen machen. „Schon da waren manche erstaunt, dass unser Haus so offen und wohnlich ist“, erzählt Florian Adolf. Im Anschluss durften die Jugendlichen, in drei kleine Gruppen aufgeteilt, reihum mit ihm, mit Antje Kasparek sowie mit zwei Bewohnerinnen des Hauses, die im Heimbeirat engagiert sind, sprechen und ihnen einige Fragen stellen.
 
„Teilweise lagen Vorstellungen und Realität sehr weit auseinander“, berichtet Florian Adolf. So zum Beispiel bei der Frage nach dem Gehalt eines Auszubildenden in der Pflege. „Einige der Jugendlichen lagen mit ihrer Schätzung von 4-500 Euro um mehr als die Hälfte daneben. Tatsächlich verdienen unsere Azubis bis zu 1.140 Euro brutto im Monat - da wurden schon große Augen gemacht“, schmunzelt er. Ähnlich sei es beim Einstiegsgehalt einer examinierten Pflegefachkraft gewesen. „Da reichte die Spanne der Vorstellungen von 1.300 Euro bis hin zu 3.000 Euro – Letzteres ist in etwa das, womit man bei uns rechnen kann.“ Reichlich falsche Vorstellungen hätten auch in Bezug auf die Arbeit einer Pflegekraft vorgeherrscht, bestätigt Antje Kasparek. „Leider denken die meisten bei Pflege an waschen und Essen eingeben“, benennt sie das gängige Klischee. „Doch das ist beides nur ein minimaler Teil dessen, was wir tun. Pflege ist ein unglaublich vielseitiger, abwechslungsreicher Beruf, in dem ständig neue Innovationen zum Tragen kommen. Ich vergleiche sie gern mit einem bunten Blumenstrauß, denn es gibt enorm viele Weiterentwicklungsmöglichkeiten für die Mitarbeitenden, die bis hin zur Gerontofachkraft, Pflegedienstleitung, Einrichtungsleitung und vielem mehr reichen.“ Ihr persönlich gefalle besonders, „dass Fachwissen und Menschlichkeit Hand in Hand gehen und dass es ein Beruf für Teamplayer ist. Hier haben alle das Herz am rechten Fleck“, schwärmt sie auch nach 36 Berufsjahren noch. Sogar das Schichtarbeiten oder das berüchtigte Einspringen für Kollegen, das einige der Schüler von ihren Eltern kannten, kann Antje Kasparek relativieren: „Wenn ich am Wochenende arbeiten muss, habe ich dafür unter der Woche frei – da kann ich dann vielleicht sogar noch viel mehr unternehmen. Und das mit dem Einspringen ist ein Geben und Nehmen: Wenn ich für eine Kollegin einspringe, tut sie das ein andermal auch für mich. Das schafft eine gewisse Flexibilität.“ Ein weiterer Punkt, der die Schülerinnen und Schüler ebenfalls sehr interessiert habe, sei der Umgang mit dem Tod gewesen. Hiermit gehe jeder der Mitarbeitenden anders um, aber kalt lasse es einen auch nach vielen Berufsjahren nicht, sind sich Florian Adolf und Antje Kasparek einig. „Es kommt immer auch ein bisschen auf den Einzelfall an“, so Florian Adolf. „Zu manchen, die viele Jahre hier im Haus gelebt haben, hat man vielleicht einen innigen Bezug aufgebaut - dann ist man natürlich traurig und das darf auch sein. Oft hilft ein Gespräch mit den Kollegen. Wir achten immer aufeinander, damit alle gut damit zurechtkommen.“
 
Das Projekt „Pflege auf dem Stundenplan“ fände sie persönlich sehr gut, resümiert Antje Kasparek. „Die Jugendlichen waren toll. Ich hatte den Eindruck, dass sich auch diejenigen, die anfangs ein wenig skeptisch waren, nach kurzer Zeit auf das Ganze eingelassen haben und bleibende Eindrücke mit nach Hause nehmen konnten. Pflege ist ein so wichtiges gesellschaftliches Thema. Ich würde mir wünschen, dass ein Projekt wie dieses an jeder Schule Pflicht wird.“

Die AllgäuPflege bildet ab September erstmals junge Leute nach der neuen generalistischen Pflegeausbildung zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann aus. Voraussetzung hierfür ist ein Realschulabschluss. Mit Mittelschulabschluss muss zuerst die Pflegehelferausbildung vorgeschaltet werden.

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