Wenn „Mein Vater war ein Wandersmann…“ ertönt

Jeden Mittwochvormittag zwischen zehn und elf Uhr erschallt in der Seniorenresidenz in Blaichach vielstimmiger, munterer Gesang. Denn dann steht für die Bewohnerinnen und Bewohner Singen und Sitztanz mit der Altentherapeutin Sylvia Lorenz auf dem Programm. Die Stunde ist sehr beliebt und für alle Teilnehmenden eine belebende und schöne Erfahrung.

Foto: Rebecca Kaiser, AllgäuPflege gGmbh

„Mein Vater war ein Wandersmann und mir steckt´s auch im Blut…“ – das gute Dutzend Damen und Herren, die im so genannten „Roten Salon“ der Seniorenresidenz (der Name beruht auf den roten Stühlen im Raum) beisammensitzen, um gemeinsam mit Sylvia Lorenz zu singen, kennen jedes Wort des alten Wanderliedes auswendig. Während des Singens führen sie unter ihrer Anleitung passende Bewegungen dazu aus, das heißt, sie imitieren im Sitzen die Schritte des besungenen Wandersmanns, bei der Textstelle „drum wander´ ich froh, solang ich kann und schwenke meinen Hut“ schwenken alle mit der Hand einen imaginären Hut. Und nicht nur bei „Faleri falera ha ha ha ha ha ha“ wird viel gelächelt, geschmunzelt und gelacht.
„In unseren Stunden herrscht immer viel Freude“, bestätigt Sylvia Lorenz. Meist stimmt die gelernte Altentherapeutin selbst die Lieder an, nur manchmal kommen sie von einer CD. Bisweilen begleiten die Teilnehmenden die Stücke mit einfachen Musikinstrumenten wie Rasseln und Triangeln. „Ich komme aus einer sehr musikalischen Familie, in der viel gesungen wurde und war selbst im Schulchor und im Kirchenchor. Daher liegt mir das sehr“, lächelt sie. Zudem sei das Thema Musiktherapie ein Aspekt ihrer Ausbildung gewesen, der sie stets fasziniert habe. „Mit Musik erreicht man die Menschen auf ganz besondere Weise. Durch die Volks- und Kinderlieder oder alten Schlager die wir singen, tauchen oftmals schöne Kindheits- und Jugenderinnerungen auf. Und sogar Menschen mit fortgeschrittenen demenziellen Veränderungen, die im Alltag nicht mehr in der Lage sind zu sprechen, singen hier plötzlich mit oder bewegen zumindest die Lippen zum Text. Das alles ist wunderbar mitzuerleben und für mich wie ein Geschenk.“ Nicht zu unterschätzen sei auch die Wirkung der Bewegung. „Beim Sitztanz kann man auch trotz eventueller gesundheitlicher Einschränkungen körperlich aktiv werden – und das ganz nebenbei. Natürlich überfordern wir niemanden. Jeder macht so mit, wie sie oder er es kann und möchte“, betont sie. „Man sieht regelrecht, wie gut das den Menschen tut.“